Und dann küsst dich die Muse…

Schreibblockade Writers Block

Mein Beitrag zur Blogparade zu #SchreibblockADE2022 von Daniela Pokorny.

 

Genau…! Dann küsst dich die Muse und los geht’s! Ein Gedankenblitz kommt, Du schließt dich in dein Kämmerlein ein und schreibst und schreibst und schreibst.

Schön wär’s oder? Die Realität sieht aber leider oft anders aus. Du würdest so gern schreiben, hast vielleicht schon eine tolle Idee oder würdest es gern wieder tun, weil es dir früher schon mal total viel gegeben hat. Aber dann sitzt du hochmotiviert vor deinem Rechner, der Cursor blinkt auf dem weißen Bildschirm und du weißt in keinster Weise, wie anfangen. Alles krampft sich zusammen, du denkst immer angespannter nach, bis du schließlich frustriert aufgibst.
Schreibblockade! So oder so ähnlich fühlt es sich an. Manch einer fängt noch an zu schreiben und verliert dann den roten Faden… .
Ja, es gibt sogar verschiedene Arten von Schreibblockaden. Hier kommen sie.

 

1) Totale Abneigung/ Ablehnung

Du warst schon mehr oder weniger kreativ, warst sozusagen schon im Schreibflow, hast etwas zu Papier gebracht. Plötzlich spürst du eine totale Abneigung, wenn du nur an deine Arbeit denkst. Alles sträubt sich in dir, wenn du dir vorstellst, dass du dich wieder mit deinem Werk auseinandersetzen sollst. Du hast dich „leer geschrieben“.

 

2) Probleme mit dem roten Faden

Du hast dein Werk vor Beginn nicht geplant oder strukturiert und wusstest noch nicht konkret, wo die Geschichte hingeht. Du hast vor Ideen gesprüht und einfach erst mal hoch motiviert drauf los geschrieben. Plötzlich weißt du überhaupt nicht mehr: wie weiter? Die Handlung stagniert, du gerätst in die Defensive oder langweilst dich plötzlich in deinem eigenen Thema. Du hast den roten Faden verloren. Etwas abgewandelt: du kennst das Ende schon genau, weißt aber nicht, wie dort hin kommen.

 

3) Perfektionismus

Du hast einen so hohen Anspruch an dein Werk, dass du schon vorher weißt, dass dieser nicht erreicht werden kann und du dich sowieso enttäuschen wirst. Daher wirst du aus Angst, es könnte schlecht werden, gar nicht erst richtig anfangen zu schreiben.

 

4) Keine Ideen

Hier geht es nicht darum, dass dir nicht die richtigen Worte einfallen, sondern dass du überhaupt kein Thema hast, über das du schreiben könntest. Dein Geist ist leer, du hast keine Inspiration.

 

5) Ablenkung

Du schreibst und plötzlich bemerkst du, dass du etwas ganz anderes am PC tust, z.B. auf Instagram scrollen. Hört sich vielleicht nicht nach einer klassischen Blockade an. Das Vorgehen kann sich aber so verselbstständigen, dass du mehr und mehr aus deinem Schreibfluss gerätst und nicht mehr weiterkommst.

 

6) Angst für sein Werk einzustehen

Manche Autoren stellen sich vor, wie zukünftige Leser das Geschriebene bewerten und abwerten. Aus Angst, der möglichen Kritik nicht gewachsen zu sein, wird der Schreibfluss unterbunden.

Na, erkennst du dich wieder?

Aber wie schreiben Leute dann ganze Bücher? Wenn man selbst nicht mal einen Anfang findet oder früher oder später mittendrin scheitert? Dabei würde man doch so gerne, eigentlich ist man doch kreativ, hat vielleicht früher sogar Freude am Schreiben gehabt, es fiel einem leicht? Es „lag“ einem doch.

Wie haben das die ganz Großen gemacht? Goethe z.B. oder auch Komponisten. Die sich dann wochenlang wie in einem Rausch befanden, die mit dem Schreiben gar nicht hinterherkamen, weil sie so produktiv waren.
Wieso hast du nur so ein verdammtes Brett vor dem Kopf?

Nun, ich glaube, der Ursprung von richtigen Schreibblockaden liegt echt tief und ist vielschichtig. Elementar ist wohl der Fakt, nicht richtig bei sich selbst zu sein. AHA! Ja, vermutlich sind auch nur die wenigsten wirklich bei sich selbst. Also so richtig, auch wenn Zeitdruck herrscht.

Es setzt nämlich wiederum voraus, auf sich zu hören, echte Selbstfürsorge zu betreiben, und wirklich zu fühlen, dass du selbst der wichtigste Mensch in deinem Leben bist, und dich auch so behandelst. Und ja, das ist Training, und (leider) nicht damit getan, bei Stress mal fix einen Spaziergang zu machen oder sich einmal die Woche zum Sport zu überreden (versteh mich nicht falsch, wenn dir das allein hilft, dann umso besser). Meist ist es aber komplexer, betrifft die ganze Einstellung zum Leben und ob man lernt sich selbst zuzugestehen, es genau nach seinen Bedürfnissen zu gestalten, seine Muster zu erkennen. Der ganze „Persönlichkeitsentwicklungskrams“ halt.

Denn erst wenn du dich mit dir selbst verbindest, öffnet sich diese Tür zu deiner Kreativität, zu deinem inneren Künstler. Wie soll der denn auch bitte zu Wort kommen, wenn du nur damit beschäftigt bist, auf das immer Laute, Schnelle im Außen zu reagieren und Tools zu befolgen, damit die Stressgefühle dich nicht vollkommen übermannen? Weil du hauptsächlich mit deinem „Erhalt“ beschäftigt bist?

Das anzugehen braucht vor allem Geduld. Geduld und Milde mit dir selbst, denn ja, du musst dich sozusagen umkonditionieren. Lass los und akzeptiere erst mal, dass du grad nicht kannst, dass dein Geist mit anderen Dingen beschäftigt ist. Hab Verständnis für DICH, wie du es für gute Freunde hättest.

Was du besser lassen solltest

Immer weiter darauf drängen dass jetzt doch endlich wieder was möglich sein sollte. Dich von Deadlines wahnsinnig machen lassen. Druck auf dich ausüben. Oder dich für doof halten und vor dir selbst runterputzen.

Das sind alles Dinge, die dich in den allermeisten Fällen nur weiter in die Blockade drängen und das Problem eher verschärfen. Das ist ein bisschen wie die Aussage „jetzt entspann dich doch endlich“ oder „bleib mal ruhig“. Bei bewirkt das normalerweise das Gegenteil. Kennst du? Dann weißt du vermutlich auch, dass das eben nicht hilft.

„Stop! Das klingt ja alles ganz einleuchtend, aber ich brauche jetzt und hier Hilfe!“, denkst du dir?

Vielleicht demotiviert es dich auch grad total zu lesen, dass ehrliche Selbstfürsorge nicht von heute auf morgen große Früchte trägt.
Du willst doch erst mal einfach nur (wieder) einen Fuß rein kriegen in die Kreativität, ins Schreiben, erste Hilfe für deinen Kopf leisten, das Brett verschieben!

 

Was du tun kannst

Wichtig ist: Entspannung reinbringen.
Das geht nicht auf Befehl und fühlt sich auch eher kontraproduktiv
an, wenn da diese Deadline ist oder du aus anderen Gründen
irgendeinen Druck hast dass schnell wieder was geht.

Stattdessen nimm dir bewusst Zeit für
andere Dinge und zwar welche, die dir Freude bereiten. In dir schreit
etwas danach dass du dafür keine Zeit hast weil Deadline? Ruhe da
drüben, das ist Arbeitszeit und sinnvolle dazu! Es ist nämlich nicht unbedingt einfach, sich diese Zeit zu nehmen um etwas „nur zum Spaß“ zu tun. Das kann ein entspanntes Kuchenessen irgendwo in der Stadt sein und die Gedanken treiben lassen. Das kann mal wieder Malen sein oder ein Instrument spielen oder ein Spaziergang in Wald und Feld, egal, einzige Bedingung: eine Sache, die dir immer schon Freude
bereitet
hat.

Und dann wechsle vielleicht mal die Perspektive,um dich an das Thema ran zu tasten. Wie das?

Das kann tatsächlich auch das kreative Schreiben in einer Gruppe sein, sofern das vollkommen ohne Druck, Anforderungen und strenge Regeln ist.

 

Das bringt dich raus aus deinen Denkschleifen. Lass dich inspirieren,hol dir Input und bring Dynamik in die Sache. Dein Gehirn verbindet dann Freude und Spaß damit und nicht Druck und „etwas schaffen müssen“. Klingt unprofessionell? Nur für Schreibanfänger? Aber die Sache ist dir doch ernst! „Lustiges“ Schreiben in der Gruppe? „Ne, ganz bestimmt nicht. Das ist doch kindisch.“ YES! Genau deswegen! Kinder sind nun mal die kreativsten!

Du übst, dein Denkmuster wieder in eine andere Richtung zu
trainieren. Lass dir von außen neue Wege aufzeigen, wenn du es nicht
allein schaffst. Aber geh los! Hol dir Hilfe! Was hast du zu
verlieren? Neue Erkenntnisse sind ziemlich wahrscheinlich.

Ich kann dir gern dabei helfen, wenn du möchtest. Melde dich gerne für ein unverbindliches Infogespräch, dort können wir besprechen ob das kreative Schreiben 1:1 etwas für dich wäre.

 

Deine Erfahrung mit Schreibblockaden

Hast du selber Erfahrung mit Schreibblockaden? Was hat dir geholfen, sie zu überwinden? Wie tiefgehend waren sie?
 

5 Kommentare zu „Und dann küsst dich die Muse…“

  1. Liebe Lucie,

    vielen Dank für deinen Beitrag zur Blogparade! 🙂
    Es ist wichtig, die Ursachen für die eigenen Schreibblockaden herauszufinden, denn so kann man langfristig etwas dagegen unternehmen.

    Wunderbar, dass du auch das Thema Selbstfürsorge aufgreifst, also dass die Selbstfürsorge nicht nur zur Symptombekämpfung in der Situation verwendet werden sollte, sondern wirklich über längere Zeit praktiziert werden muss, um hilfreich zu sein.

    Vielen Dank und gutes Schreiben! ✒️
    Daniela

    1. Liebe Daniela,
      vielen Dank dass du die Blogparade zu dem Thema ins Leben gerufen hast. Sonst hätte ich dich und deine Seite vermutlich nicht gefunden. Was schade wäre.

      Gut schreib (ab morgen NaNoWriMo, machst mit?)
      Lucie

  2. Pingback: Blogparade #SchreibblockADE2022 – Deine besten Tipps gegen eine Schreibblockade - linguistsway

  3. Ein ganz toller Beitrag, ich habe ihn sehr gerne gelesen. Ich bin auch der Meinung, dass die eine oder andere Schreibblockade einen tieferen Grund habe, weshalb ich gerne mit der einen oder anderen Blockade-Technik drangehe. Das ist sicher nicht immer der Fall, aber für mich auch ein Zeichen, dass irgendwas nicht stimmt. Die Energie und Motivation geht ja nicht umsonst flöten. Und vielleicht sollten wir es auch als „normal“ betrachten, dass das hin und wieder passiert, denn es ist ja auch ein Weg der persönlichen Entwicklung. Ich frage mich an der Stelle auch, ob das Bild, das wir von erfolgreichen Autoren haben, mit der Wirklichkeit übereinstimmt 😉

    Gruß, Marita

  4. Pingback: Zeig Dich! Das Problem mit der Sichtbarkeit - Ideenbrunnen

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